ATU VI – Das Geheimnis der Liebenden

Wie im Himmel,…

 

Die Zeit der Zwillinge in der Jahresuhr steht für die Vollendung des frühlingshaften Kreationsprozess, in dem die Sonne das Wachstum aus der Tiefe der Natur in die Höhe gezogen hat. Der Geist der Zwillinge schafft ein Bewusstsein, in dem die Natur ihre Vielschichtigkeit zeigt und die Weltenseele durch eine Fülle von herangewachsenen Kreationen inspiriert.

Die Zwillinge kennzeichnen einen Wechsel der Jahreszeit – sie beenden den Frühling, sie leiten den Sommer ein. In den letzten 30 Grad des Frühlings strebt die Sonne immer mehr dem Zenit entgegen, bis sie am Ende dieser Zeitqualität  zur Sommersonnenwende, ihren Höhepunkt und maximale Ausdehnungskraft erreicht, um in den Sommer überzugehen. 

Merkur, der Planetenherrscher der Zwillinge im Zodiak, zeigt als der große Gelehrte Hermes Trismegistos nach oben in den Himmel und nach unten auf die Erde. Er verweist auf die Polarität des Bewusstseins, in dem wir uns vorfinden und auf eine wichtige hermetische Weisheit: „Das was oben ist, ist das was unten ist.“ Oder schöner: „Wie im Himmel, so auf Erden.“

 

In der universalen Polarität treten sich alle Dinge im Spiegelbild ihrer Selbst gegenüber, um durch die Kunst ihrer Teilung die große Kommunikation des Lebens zu eröffnen. Alles polarisiert und teilt sich im ewigen Wandel des Entstehens & Vergehens, um sich im Prozess aus Licht & Schatten zu formen, zu begegnen, zu erfahren und zu erkennen. Im Jahreskreislauf sind die Zwillinge ein Sinnbild die Polarität der Sonnenkraft.

Die minimale und die maximale Ausdehnung der Sonneneinwirkung zeigen sich im Kalender der Seele in der Winter- und in der Sommersonnenwende. Sie bilden zwei Pole einer Kraft. Von der Wintersonnenwende bis zur Sommersonnenwende strebt die Sonne in Richtung Norden, um hoch oben am höchsten Punkt zu thronen. Ab diesem Moment wechselt sie die Richtung und kehrt in den Süden zurück, um sich in der Tiefe des Winters zu erneuern. Das astrologische Symbol der Zwillinge bewahrt das Wissen dieses polaren Strebens. Es zeigt zwei in entgegensetzte Richtungen treibenden Kräfte, die sich exakt spiegelt.

VI | Das Geheimnis der Liebenden

 

Auf der Tarotkarte „ATU VI – Die Liebenden“ erscheint Hermes als der geheimnisvolle Zauberer in weißem Licht und hebt seine beiden Arme, um die in Polarität erscheinenden Anima und Animus durch das Band der Unendlichkeitsschleife zu vereinen. Die Polarität, in der sich die beiden Liebenden gegenübertreten, zeigt sich auf dem gesamten Bild, auf dem eine weiße Königin einen schwarzen König heiratet. Vor ihnen befinden sich zwei Kinder, die die Idee der Polarität erneut spiegeln. Ein Kind reicht der Königin der Kelch, das Symbol der Weiblichkeit und der empfangenden Kraft der Seele. Das andere Kind reicht dem König den Stab, das Symbol des Willens, der Männlichkeit und der Durchsetzungskraft. Die Figuren sind die Darsteller der Polarität des Geistes, durch die hindurch er sich offenbart, indem er seine dualen Facetten hervortreten lässt, um sie miteinander interagieren zu lassen.

Auf der Tarotkarte „ATU VI – Die Liebenden“ zeigt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Kreationen, die jedoch allesamt ihren polaren Spiegelbildern gegenüberstehen und so ein ineinander verwobenes Bild der Einheit formen. Jede Erscheinung schaut in den Spiegel und sieht darin die Polarisation seiner Selbst. Die Karte lehrt uns, dass sich männlich ohne weiblich nicht erfahren kann, dass sich kein Wille durchsetzen kann, wenn er nicht mit Empfangsbereitschaft gepaart wird und dass nur dann etwas in unser Bewusstsein strömen kann, wenn es das Unterbewusstsein gibt, von dem es sich tragen lassen kann.

Der geheimnisvolle Umhang, in den sich Merkur hüllt und durch den er hindurch wirkt, ist ein Sinnbild des Unbewussten. Das Bild weist darauf hin, dass der Ursprung allen Seins im Unmanifestierten liegt und sich vor uns verbirgt. Es ist die große Show, die hinter den Kulissen der Lebensbühne stattfindet und die wir von der Welt der Kreation aus nicht erfassen, definieren und erkennen können. Wir können nur wahrnehmen, was aus diesem Vorhang heraus in Kreation tritt. Der Umhang bildet die Grenze zwischen dem Jenseits und unserer Welt, zwischen dem Unbewussten und dem Bewussten. Alles, das aus dem Verborgenen, dem Vorhang des Zauberers, emaniert, begibt sich in Polarität. Nichts kann aus dem All-Bewusstsein hervortreten, ohne dass es nicht im gleichen Moment sein Gegenteil erzeugen würde. Die universale Formel des Tarots ist die Nullgleichung. Alles, das sich im Rad der Zeit zeigt, schafft seinen Gegenpol um sich im alldurchdringenden Gleichgewicht des Universums auszugleichen. Im Thoth Tarot ist das 31. Hexagramm Hian den Liebenden zugeordnet. Das Hexagramm ist ein Sinnbild der Anziehungskraft, die zwischen zwei Gegensätzen wirkt und sie im Wandel der Polarität durch die Ewigkeit hindurch vereint hält.

ATU VI kennzeichnet den 17. Pfad im kabbalistischen Lebensbaum, der die beiden Sephiroth Binah und Tiphareth verbindet. Binah gilt als das große Tor der Seele, die Mutter im kabbalistischen Lebensbaum und korrespondiert mit der linken Gehirnhälfte. Die linke Gehirnhälfte ist verantwortlich für unsere Fähigkeit des Sprechens und der Unterscheidung, die analytische Intelligenz, die Wahrnehmung von Raum und Zeit, das das logische Denken und unser Verständnis. Über den 17. Pfad bilden sich die Formen, durch die sich die Informationen des Geistes definieren und in unser Bewusstsein fließen. Die differenzierende Seelenkraft erlaubt, die Details der Schöpfung hervortreten zu lassen, in dem sich sie von anderen abtrennen und eine eigenständige Form annehmen.

Der Tarotkarte und dem 17. Pfad im kabbalistischen Lebensbaum sind der hebräische Buchstabe Zayin zugeordnet. Zayin bedeutet Schwert, und dieses bildet das zentrale Symbol von ATU VI, den Liebenden. Das Schwert ist ein Synonym für das Luftelement der Weltenseele, den analysierenden Geist. In okkulten Lehren symbolisiert das Schwert die Methode der Schöpfung, denn die Glyphe formt den ersten Teil der alchemistischen Tradition „Solve et coagula“, „löse und verbinde.“ Die Alchemie lehrt, dass nicht durch das Hinzufügen etwas Neues in die Welt tritt, sondern dass die Teilung die Schöpfung einleitet. Die Kunst der Analyse befähigt die Seele, die Dinge zu differenzieren, um sie als eigenständige Prozesse, Organismen, Formen und Ideen im Allbewusstsein wahrzunehmen. Der hebräische Einfachbuchstabe, der die Energie der Zwillinge im Tierkreis verkörpert, trägt in der Gematrie den Zahlenwert 7. Das Schwert schöpft die 7 Heiligen Planeten und teil das Urlicht in die 7 Farben des Regenbogens. Die Kunst der Differenzierung hebt die 7 Töne der Oktave hervor, die 7 Energiefelder der Seele und die 7 hermetischen Prinzipien des Urkraft.

Durch die analytische Kunst des Schwertes schöpft das Bewusstsein die Zeit, in dem sie ihre Gegenwart in die Polarität von Vergangenheit und Zukunft teilt. Die Gegenwart offenbart sich zwischen ihrer Vergangenheit, von der sie sich tragen lässt und ihrer Zukunft, in die sie strebt. Im Wechselspiel dieser Polarität entfaltet sich die Seele im ewigen Wandel der Zeit, der durch die Möbius-Schleife, die Hermes im Tarot über die Liebenden legt, zum Ausdruck kommt.

Die Polarität der Zwillinge schafft die Spaltung, die sich auf allen Ebenen zeigt. Sie zeigt sich im äußeren Universum, wie in unserer inneren Seelenwelt, die wir auf Erden erfahren. Die vielen konträren Erscheinungen auf ATU VI symbolisieren die Anteile unserer Seele, die sich aus der Einheit hervorheben, um im Wechselspiel die Kommunikation zu erschaffen, durch die hindurch wir uns formen, entwickeln, erkennen und begegnen. Wenn die Einheit, die dieser Polarität zugrunde liegt, jedoch nicht erkannt oder akzeptiert werden, kann die Trennung, die unser Dasein bedingt, ein Gefühl des Leides hervorrufen.

 

…so auf Erden.

 

In der Zeitqualität der Zwillinge zeigt sich das Bewusstsein der Natur seine Fülle an hervorgebrachten Kreationen, die empor zum Himmel gestrebt sind. Mit dem Zwillingen vollendet sich der Schöpfungsprozess des Frühlings. In dieser Zeitqualität zeigt das Bewusstsein der Natur seine Fülle an hervorgebrachten Kreationen und Schöpfungen. Zu diesem Bewusstsein, das sich in Vielfältigkeit zeigt, verschafft uns die Zwillingsenergie einen ausgezeichneten Zugang.

Sie repräsentieren unsere archetypische Kraft der Analyse, die die Weltenseele dazu befähigt, all diese verschiedenen Kreationen wahrzunehmen und sie voneinander zu unterscheiden. Die Zwillings-Qualität zeigt sich in unserem irdischen Bewusstsein durch die Qualität der Kommunikation und Definition. Wesen, die einen starken Bezug zu dieser Astralenergie haben, verfügen oft über ein schnelles, kommunikatives, wechselhaftes Naturell, dem die Fähigkeit innewohnt, zu planen, strukturiert vorzugehen, analytisch und zeitlich zu erfassen. Sie können zwischen der Vielzahl unterschiedlicher Erscheinung differenzieren.

Merkur ist der Planetenherrscher der Zwillinge im Zodiak. Der flinke Götterbote symbolisiert die Kommunikation unserer Seele, und die Kraft, die uns erlaubt, von einer Ebene des Geistes in die andere zu reisen, um zwischen ihnen Verbindungen herzustellen und sie miteinander kommunizieren zu lassen.

Das veränderliche Luftelement, das die Zwillinge im Zodiak symbolisieren, gilt in der Alchemie als der Vermittler zwischen den Gegensätzen. Es trägt Feuer und Wasser in sich und vermittelt zwischen beiden Kräften. Die luftige Zwillingsenergie symbolisiert den inneren Informationsverarbeitungsprozess, der sich aus dem Wechselspiel zweier konträrer Energien formt – dem aktiven Seelenanteil, dem Feuer, und dem passiven Seelenanteil, dem Wasser.

Je besser unser innerer Informationsverarbeitungsprozess funktioniert, umso stärker werden wir in der Lage sein, die Informationen der Kommunikation unserer Seelenanteile – den Liebenden -, unsere inneren Kräfte sowie die Erscheinungen im Außen wahrzunehmen, zu verstehen und einzuordnen. Nur ein strukturierter Geist kann sich seiner Bestandteile bewusst werden und sie so für seine persönliche Entwicklung einsetzen. Der analytische Verstand ist die größte aller magischen Waffen, denn wahre Magie und Veränderung geht mit Wissenschaft, Disziplin, Analyse und Struktur vor.

Aus der Zwillingsenergie gehen die Alchemisten dieser Welt hervor, die die Frage stellen: „Aus was sind die Dinge gemacht? Und wie ich kann die Bestandteile bestmöglich zusammenfügen?“

 

Love is the law,
die O.

Der Thoth Tarot von Aleister Crowley

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